„Ich kann jeder Einrichtung im Umgang mit internationalen Pflegefachkräften empfehlen, bei ihnen ganz nah dran zu bleiben, ein offenes Ohr auch für die persönlichen Anliegen zu haben und praktische Hilfestellung im Alltag anzubieten“, regt Ulrike Queitsch, Personalverantwortliche bei der Agaplesion Bethanien Diakonie, beim MATCH-Interview an und gibt Praxis-Tipps zum Recruiting.

Die Personalerin Queitsch berichtet über die Besonderheiten der Zusammenarbeit mit den 32 philippinischen und vier mazedonischen Pflegekräften an den Standorten Hamburg und Berlin: „Unsere internationalen Pfleger:innen sind hochausgebildete Fachkräfte und verfügen über ein eindrucksvolles medizinisches Know-how. Mittels ihrer zurückhaltenden Art drängen sie ihr Wissen allerdings nicht auf. Zudem haben sie eine offene, positive Ausstrahlung und sind durch ihre Kultur den respektvollen Umgang mit älteren Menschen gewohnt. Das alles schätzen wir und unsere Bewohner:innen sehr an ihnen.“ Ein weiterer Tipp der Personalexpertin ist, dass die Gesundheitseinrichtung möglichst mehrere Pflegefachkräfte aus demselben Land akquirieren sollte, damit sie direkt Gleichgesinnte finden. Das erhöhe den Wohlfühl-Faktor enorm, so Queitsch.

Zeit zum Ankommen und Mentoren-Programm

Das „warme Ankommen“ ist Agaplesion besonders wichtig. Nach dem ersten Kennenlernen der Kandidat:innen per Videocall, kümmert sich der künftige Arbeitgeber im Vorfeld darum, dass sie die deutsche Sprache erlernen und die B2-Prüfung bestehen. Bei ihrer Ankunft wird den neuen Mitarbeitenden eine möblierte Wohnung gestellt, sie erhalten ein Starterpaket mit Nahrungsmitteln und Orientierungshilfen. Zudem wird ihnen ein Mentor bzw. eine Mentorin zur Seite gestellt, mit der sie gemeinsam in den Berufsalltag starten und die Ansprechperson auch für Alltagsfragen ist, beispielsweise zu Behördengängen, zur Mülltrennung oder zum Handyvertrag. „Bei uns hat sich bewährt, dass die internationalen Pflegekräfte Stück für Stück ins Tagesgeschäft eingearbeitet werden und sie auch genügend Zeit für das Einleben, die weitere Sprachausbildung sowie Vorbereitung auf die Berufsanerkennung mit dem Bildungsträger Lingoda erhalten“, führt die Personalerin an.

Längere Anlaufzeiten durch Corona

Vom Erstgespräch bis zum Ankommen in der Einrichtung dauert es in der Regel knapp ein Jahr, jeweils abhängig von den Sprachvorkenntnissen der Kandidat:innen. Durch die Corona-Beschränkungen hat Agaplesion zuletzt drei Jahre auf eine neue Pflegekraft warten müssen. Ein weiterer Flaschenhals sind zumeist behördliche Verfahren, wie z.B. lange Wartezeiten bei den Anerkennungsprozessen.
„Doch am Ende zahlt sich die Mühe aus“, sagt die Recruiterin überzeugt. Die Neuen bleiben langfristig in den Einrichtungen und bereichern das Team und die Bewohner:innen mit ihrer umsichtigen, fürsorglichen und professionellen Arbeit. Ulrike Queitsch sieht den Einsatz von Pflegekräften aus dem Ausland als zusätzlichen Anwerbungs-Kanal, der aufgrund des wachsenden Pflegenotstands unbedingt erforderlich ist.